Jeder kennt die Silhouette von Frankfurt. Doch weit mehr als die Architektur prägen die Menschen das Bild der Stadt.

Persönlichkeiten verleihen der Grossstadt am Main ihren Charakter und ihre Individualität, ihre Lebendigkeit und ihren ganz eigenen Style. In loser Folge stellen wir Ihnen vier Persönlichkeiten aus Frankfurt vor.

Wir freuen uns sehr, dass auch wir nun Teil dieser lebendigen Stadtkultur sind und den Stil von Frankfurt bereichern – mit unserem neuen windsor. Store in der Hochstrasse 53.

Teil 1 von 3
Evelyn Dragan
Fotografin

Als Fotografin bereist Evelyn Dragan von Frankfurt aus die ganze Welt, macht Porträts für Magazine oder Reportagen über Migration. Ihren Arbeiten liegt ein feinfühliger Umgang mit Licht und Farbe zugrunde.

Als sie für das Interview angefragt wurde, dachte sie zunächst, es sei eine Jobanfrage. Dass es um sie geht, ist eher ungewohnt für Evelyn. Sie möchte lieber ihre Arbeit in den Vordergrund stellen. „In meinen Bildern steckt schon genug von mir drin.“ Seit sieben Jahren ist Evelyn als Fotografin unterwegs.

Von ihrer Heimatstadt Frankfurt aus arbeitet sie für Magazine wie Monocle, Brand Eins, das Lufthansa Magazin, Enorm oder das Magazin der Süddeutschen Zeitung. Daneben fotografiert sie für Reportagen über soziale Themen, Demenzkranke, SOS-Kinderdör fer und für den Weissen Ring.

Evelyn mag beides, Lifestyle und Soziales. „Der gemeinsame Nenner ist eine Gefühlsstimmung, die sich durch das Licht und die Farbwelt ausdrückt.“ Im letzten Jahr hat Evelyn wieder angefangen, privat zu fotografieren – ihre Freunde, ihr Zuhause. Das seien Bilder, die sie nicht hinter frage, das mache sie glücklich.

„Ich zeig da was aus meinem Leben. Bei Jobs muss man immer im Hinterkopf haben, was der Kunde will.“ Ob sie ihr fotografisches Auge, ihren Anspruch an Gestaltung ausschalten könne? „Ich sehe überall Licht, Farbe und Komposition.“

Mittlerweile nehme sie die Kamera auch mit in den Urlaub – und kann dennoch entspannen. „Es ist zwar mein Beruf, doch ich liebe ihn.“ Evelyn hat aufgehört, die Grenze zu ziehen. Dennoch müsse man kein Workaholic sein.

w. Wie authentisch sind deine Arbeiten, wie inszeniert?

E.D. Ich würde sagen, in der Fotografie kann nichts 100 Prozent authentisch sein. Man hat ja immer einen Fokus, auch wenn man etwas ungeschönt zeigt. Ich schaue, dass ich Bilder festhalte, die persönlich sind. Das hat auch etwas Idealisierendes, weil ich versuche etwas auszudrücken, was besonders ist. Es muss nicht alles perfekt sein. Dann liegt da ein wenig Küchenabfall und man sieht eine Hand, die hineingreift. Ich mag diese Zwischenmomente. Die sind vom Licht und den Farben her oft sehr ästhetisch.


w. Was sind deine thematischen Interessen?

E.D. Porträts sowie Reportagen, Lifestyle, aber genauso soziale Themen. Ich habe beispielsweise Geschichten über Demenzkranke gemacht, über SOSKinderdörfer, den Weissen Ring und Aktion Mensch. Bei diesen Themen muss man einen sensiblen Umgang finden und darf sie nicht reisserisch, aber auch nicht unemotional zeigen.


w. Wie gehst du mit diesen Kontrasten um – die schöne Welt und das Leid?

E.D. Du kannst dich für schöne Dinge interessieren und dennoch ein vielschichtiger Mensch sein. Ich kann dankbar sein, dass es mir gut geht, und trotzdem Mitgefühl haben. Das ist natürlich ein Kontrast, der jedoch dazu beitragen kann, ein ganzheitlicher Mensch zu werden, eine grössere Bandbreite an Erfahrungen und Emotionen zu bekommen. Gleichzeitig kann man auch ein tolles Interior gut finden. Die Gemeinsamkeit besteht in der Gefühlsstimmung und in der Farbwelt. Da bin ich frei und nicht eingeschränkt, wie ich das einsetze.

w. Was würdest du noch gerne fotografisch festhalten?

E.D. Ich finde gerade die überraschenden Momente so toll, wenn ich nicht weiss, wohin es geht und wer mir über den Weg läuft. Ich habe keine Bucket List von Celebrities oder Orten. Ich bin da offen. Wichtig ist mir, dass ich sowohl kommerzielle als auch freie Sachen machen kann.


w. Bist du viel auf Instagram unterwegs?

E.D. Ich gehe nach meinem Gefühl und schaue, dass ich mich nicht zu viel auf Instagram aufhalte. Was mich daran stört, dass die Bilder und Themen sich so angleichen. Man sieht, was gut ankommt. Dadurch formt sich ein kollektives und fast konformes Empfinden für Ästhetik und Trends.


w. Dein Freund ist auch Fotograf – ist das ein Vorteil?

E.D. Mein Alltag, mein Leben sind so extrem und so spontan, dass jemand anderes Probleme hätte. Wir reisen viel – international und auch in Deutschland. Wir haben mit der Zeit gelernt, das Privatleben wieder mehr zu priorisieren. Wir haben auch einen gemeinsamen Kalender, um unsere Termine und unsere Hündin Vila managen zu können.

w. Wie wichtig ist Frankfurt für deine Arbeit?

E.D. Hier in Frankfurt herrscht keine grosse Fotografendichte. Das ist ein Vorteil für uns. Hier gibt es viel Wirtschaft, viele interessante Unternehmen. Mein Netzwerk, mit dem ich in Frankfurt produziere, ist klein. Hier gibt es beispielsweise viele Modelagenturen, ich brauche aber Charaktertypen. Da caste ich lieber Leute, die gar nicht offiziell modeln.


w. Gibt es Lieblingsplätze in der Stadt?

E.D. Wenn ich von meinen Reisen nach Frankfurt zurückkomme und die Skyline sehe, dann weiss ich, ich bin daheim. Am Wochenende laufen wir immer wieder die Berger Strasse hoch, bis es dörflicher wird, und irgendwann landen wir mitten in der Natur, auf dem Lohrberg. Zum Fotografieren gehe ich gerne auf die Neue Mainzer Strasse, mitten im Bankenviertel. Ich liebe das Licht dort in der Strassenschlucht.